Editorial

Im Wandel verwurzelt


Im Wandel verwurzelt


Text Marius Gränicher, Rektor

Beitragsbild Janick Sommer

 

Liebe Leser:innen

Liebe Freund:innen des Gymnasiums Thun mit FMS

 

Veränderungen gehören zum Leben. Sie begleiten uns auf unserem persönlichen Weg ebenso wie in unseren Gemeinschaften und Institutionen. Manche Veränderungen begrüssen wir mit Freude und Neugier, anderen begegnen wir zunächst mit Zurückhaltung oder Unsicherheit. Denn Veränderung bedeutet oft, Vertrautes los- und sich auf Neues einzulassen. Gleichzeitig eröffnet sie Chancen: zum Wachsen, zum Weiterentwickeln und dazu, gemeinsam neue Wege zu gestalten. Wurzeln verunmöglichen diese Veränderungen nicht, sie machen sie tragfähig.

 

Dem Gymnasium Thun mit Fachmittelschule steht im laufenden Schuljahr eine bedeutende Veränderung bevor: die räumliche Zusammenführung der beiden Standorte Seefeld und Schadau. Bereits die Fusion der beiden Thuner Gymnasien im Jahr 2014 war ein grosser Schritt. Aus zwei Schulen wurde eine – die Schülerschaft, die Kollegien, die Schulleitungen, Sekretariate und Hausdienste beider Schulen wurden zusammengeführt – zumindest auf administrativer Ebene. Vieles wurde anders und doch blieben die beiden Standorte noch viele Jahre bestehen. Und damit blieb trotz grosser Veränderung auch viel Gewohntes. Das hat in der Übergangszeit möglicherweise geholfen. So konnten sich alle langsam an die fusionierte Schule gewöhnen. Neben vielen Neuerungen – plötzlich waren da doppelt so viele Kolleg:innen an den Gesamtkonferenzen – konnte man sich weiterhin in den vertrauten Schulräumlichkeiten wie der alten Abwartswohnung oder der schönen Parkanlage im Seefeld aufhalten. Es hatte sich vieles geändert und doch blieb auch vieles vorübergehend noch beim Alten. Die Zweistandorte-Situation hatte aber auch Nachteile: Ständige Standortwechsel für Lehrpersonen und Klassen, lange Tage durch die vielen Zwischenpausen im Stundenplan, erschwerte Kommunikation über zwei geografisch auseinanderliegenden Schulgebäuden.

 

Nun steht im Frühjahr 2027, 13 Jahre nach der erfolgten organisatorischen Fusion, noch deren letzter Schritt an: Aus zwei Standorten wird ein gemeinsamer Schulort. Nicht wenige von uns blicken diesem Schritt mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits ist da eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar. Es entstehen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, neue Begegnungen und daraus ganz neue Perspektiven. Viel Kompliziertes wird einfacher, die Wege werden kürzer, der Stundenplan kompakter. Wir können uns im Schulhaus treffen, ohne zuerst einen Standortwechsel unter die Füsse oder die Räder nehmen zu müssen. Absprachen, Austausch und Zusammenarbeit werden dadurch einfacher.

 

Doch so spürbar die baulichen und organisatorischen Veränderungen unseren Horizont derzeit prägen, so deutlich zeigt sich im täglichen Zusammenleben auch: Das Fundament oder die Wurzeln unserer Schule bleiben beständig. Die eigentliche Essenz gymnasialer Bildung bemisst sich letztlich nicht an Quadratmetern, Korridoren oder Standortkoordinaten. Sie lebt dort, wo tagtäglich gedacht, debattiert, gezweifelt, gelacht und gelernt wird – im Schulzimmer, im Labor, in der Sporthalle, in der Aula oder draussen im Schulumfeld.

 

Genau diese Verwurzelung, die Beständigkeit des gelebten Schulalltags, spiegelt sich in den Beiträgen unseres Jahresberichts wider. Weitgehend unberührt von Bauetappen und Umzugsplanung zeigt sich hier, was das Gymnasium Thun mit Fachmittelschule im Kern ausmacht: die Neugier und die Schaffenskraft unserer Schülerinnen und Schüler sowie das Engagement, mit dem unsere Lehrpersonen ihnen den Raum dafür eröffnen. Beim Durchklicken durch die Berichte wird diese Lebendigkeit greifbar.

 

Tauchen Sie mit uns noch einmal ein in den ETH-Tag, an dem die Hochschule Forschung und Wissenschaft direkt an unsere Schule brachte. Prof. Dr. Thomas Zurbuchen lud uns in seinem Beitrag, den Sie als Video nachschauen können, nicht nur in den Weltraum ein; er erzählte auch, wie ihn seine Schulzeit am Gymnasium Thun prägte und den Grundstein für seine Kariere legte, die ihn bis zum Wissenschaftsdirektor der NASA führte.

 

Oder machen Sie einen lyrischen Spaziergang «along the canal» zusammen mit Autor und Dichter Jonathan Edwards und einer Klasse des Schwerpunktfachs Englisch. Warum sich hingegen das ästhetische Empfinden besonders gut in Bergamo schulen lässt? Lassen Sie es sich vom Schwerpunktfach PPP erklären.

 

Die Begriffe «dynamisch», «vergänglich» und «symmetrisch» begleitete die SF-Gruppe Bildnerisches Gestalten beim Entstehungsprozesse neuer Gebrauchsgegenstände. Was dabei herauskam? Sie finden tolle Beispiele im vorliegenden JahrAus. Auch aufgedeckt wird dort, was es mit dem «Fluch der Saphire» auf sich hat.

 

Dass Verwurzelung und Wandel kein Gegensatz sind, zeigt der Rückblick von Max Bratschi auf 35 Jahre Unterricht an unserer Schule. Auch er hat einen Übergang vor sich. Denjenigen von der Lehrperson in Geschichte und Latein zum Pensionierten.

 

Die Texte und Impressionen führen uns eindrücklich vor Augen: Standorte bilden den Rahmen, doch die Inhalte und der Geist, mit dem unsere Jugendlichen die Welt entdecken, füllen ihn mit Sinn. Dieser Geist zieht mit uns um – ganz gleich, unter welchem Dach wir in Zukunft gemein-sam lernen und arbeiten.

 

Ich wünsche Ihnen eine anregende, überraschende und inspirierende Lektüre beim Entdecken unseres Jahresberichts.

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Im Wandel verwurzelt


Text Marius Gränicher, Rektor

Beitragsbild Janick Sommer

 

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Liebe Freund:innen des Gymnasiums Thun mit FMS

 

Veränderungen gehören zum Leben. Sie begleiten uns auf unserem persönlichen Weg ebenso wie in unseren Gemeinschaften und Institutionen. Manche Veränderungen begrüssen wir mit Freude und Neugier, anderen begegnen wir zunächst mit Zurückhaltung oder Unsicherheit. Denn Veränderung bedeutet oft, Vertrautes los- und sich auf Neues einzulassen. Gleichzeitig eröffnet sie Chancen: zum Wachsen, zum Weiterentwickeln und dazu, gemeinsam neue Wege zu gestalten. Wurzeln verunmöglichen diese Veränderungen nicht, sie machen sie tragfähig.

 

Dem Gymnasium Thun mit Fachmittelschule steht im laufenden Schuljahr eine bedeutende Veränderung bevor: die räumliche Zusammenführung der beiden Standorte Seefeld und Schadau. Bereits die Fusion der beiden Thuner Gymnasien im Jahr 2014 war ein grosser Schritt. Aus zwei Schulen wurde eine – die Schülerschaft, die Kollegien, die Schulleitungen, Sekretariate und Hausdienste beider Schulen wurden zusammengeführt – zumindest auf administrativer Ebene. Vieles wurde anders und doch blieben die beiden Standorte noch viele Jahre bestehen. Und damit blieb trotz grosser Veränderung auch viel Gewohntes. Das hat in der Übergangszeit möglicherweise geholfen. So konnten sich alle langsam an die fusionierte Schule gewöhnen. Neben vielen Neuerungen – plötzlich waren da doppelt so viele Kolleg:innen an den Gesamtkonferenzen – konnte man sich weiterhin in den vertrauten Schulräumlichkeiten wie der alten Abwartswohnung oder der schönen Parkanlage im Seefeld aufhalten. Es hatte sich vieles geändert und doch blieb auch vieles vorübergehend noch beim Alten. Die Zweistandorte-Situation hatte aber auch Nachteile: Ständige Standortwechsel für Lehrpersonen und Klassen, lange Tage durch die vielen Zwischenpausen im Stundenplan, erschwerte Kommunikation über zwei geografisch auseinanderliegenden Schulgebäuden.

 

Nun steht im Frühjahr 2027, 13 Jahre nach der erfolgten organisatorischen Fusion, noch deren letzter Schritt an: Aus zwei Standorten wird ein gemeinsamer Schulort. Nicht wenige von uns blicken diesem Schritt mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits ist da eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar. Es entstehen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, neue Begegnungen und daraus ganz neue Perspektiven. Viel Kompliziertes wird einfacher, die Wege werden kürzer, der Stundenplan kompakter. Wir können uns im Schulhaus treffen, ohne zuerst einen Standortwechsel unter die Füsse oder die Räder nehmen zu müssen. Absprachen, Austausch und Zusammenarbeit werden dadurch einfacher.

 

Doch so spürbar die baulichen und organisatorischen Veränderungen unseren Horizont derzeit prägen, so deutlich zeigt sich im täglichen Zusammenleben auch: Das Fundament oder die Wurzeln unserer Schule bleiben beständig. Die eigentliche Essenz gymnasialer Bildung bemisst sich letztlich nicht an Quadratmetern, Korridoren oder Standortkoordinaten. Sie lebt dort, wo tagtäglich gedacht, debattiert, gezweifelt, gelacht und gelernt wird – im Schulzimmer, im Labor, in der Sporthalle, in der Aula oder draussen im Schulumfeld.

 

Genau diese Verwurzelung, die Beständigkeit des gelebten Schulalltags, spiegelt sich in den Beiträgen unseres Jahresberichts wider. Weitgehend unberührt von Bauetappen und Umzugsplanung zeigt sich hier, was das Gymnasium Thun mit Fachmittelschule im Kern ausmacht: die Neugier und die Schaffenskraft unserer Schülerinnen und Schüler sowie das Engagement, mit dem unsere Lehrpersonen ihnen den Raum dafür eröffnen. Beim Durchklicken durch die Berichte wird diese Lebendigkeit greifbar.

 

Tauchen Sie mit uns noch einmal ein in den ETH-Tag, an dem die Hochschule Forschung und Wissenschaft direkt an unsere Schule brachte. Prof. Dr. Thomas Zurbuchen lud uns in seinem Beitrag, den Sie als Video nachschauen können, nicht nur in den Weltraum ein; er erzählte auch, wie ihn seine Schulzeit am Gymnasium Thun prägte und den Grundstein für seine Kariere legte, die ihn bis zum Wissenschaftsdirektor der NASA führte.

 

Oder machen Sie einen lyrischen Spaziergang «along the canal» zusammen mit Autor und Dichter Jonathan Edwards und einer Klasse des Schwerpunktfachs Englisch. Warum sich hingegen das ästhetische Empfinden besonders gut in Bergamo schulen lässt? Lassen Sie es sich vom Schwerpunktfach PPP erklären.

 

Die Begriffe «dynamisch», «vergänglich» und «symmetrisch» begleitete die SF-Gruppe Bildnerisches Gestalten beim Entstehungsprozesse neuer Gebrauchsgegenstände. Was dabei herauskam? Sie finden tolle Beispiele im vorliegenden JahrAus. Auch aufgedeckt wird dort, was es mit dem «Fluch der Saphire» auf sich hat.

 

Dass Verwurzelung und Wandel kein Gegensatz sind, zeigt der Rückblick von Max Bratschi auf 35 Jahre Unterricht an unserer Schule. Auch er hat einen Übergang vor sich. Denjenigen von der Lehrperson in Geschichte und Latein zum Pensionierten.

 

Die Texte und Impressionen führen uns eindrücklich vor Augen: Standorte bilden den Rahmen, doch die Inhalte und der Geist, mit dem unsere Jugendlichen die Welt entdecken, füllen ihn mit Sinn. Dieser Geist zieht mit uns um – ganz gleich, unter welchem Dach wir in Zukunft gemein-sam lernen und arbeiten.

 

Ich wünsche Ihnen eine anregende, überraschende und inspirierende Lektüre beim Entdecken unseres Jahresberichts.

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