Der Schulversuch Russisch ist eine Zusammenarbeit der Gymnasien Kirchenfeld und Thun. Einer der Highlights dieses Projekts ist eine gemeinsame Sonderwoche. Die Schülerinnen Maria Kropf (28gC), Cheyenne Roulier (28gE), Lily Gautier (28gF) sowie Enya Kohler und Lena Jost (28gS) berichten von ihren Erfahrungen.
Text Maria Kropf, 28gC, Cheyenne Roulier, 28gE, Lily Gautier, 28gF, Enya Kohler, und Lena Jost, 28gS
Unsere Intensivwoche startete an der Mittelstrasse im Gebäude der Uni Bern. In einem grossen Kursraum warteten bereits die meisten Schüler:innen der Russischklasse aus dem Kirchenfeld. Da wir uns noch nicht kannten, war unsere erste Aufgabe, sich gegenseitig vorzustellen – auf Russisch, versteht sich! Danach unterschied sich der Morgen nicht stark von normalem Unterricht: Wir arbeiteten gemeinsam in unserem Lehrbuch weiter.
Nach der Mittagspause erhielten wir Besuch von Prof. Dr. Katrin Karl, die uns in einem spannenden Vortrag viel über (unsere eigene) Mehrsprachigkeit erzählte. In kurzen Bewegungsspielen merkten wir, dass auf die Frage «Wie viele Sprachen sprichst du?» mehrere Antworten möglich sind. Und ist Schweizerdeutsch nun ein Dialekt oder eine eigene Sprache? Mit diesen Fragestellungen ging der Nachmittag im Nu vorbei.
Der zweite Tag unserer Sonderwoche begann an der Universität Zürich, wo wir einen lehrreichen Vortrag von Frau Prof. Dr. Sylvia Sasse zum Thema Desinformation hörten. Wir lernten unterschiedliche Formen der Desinformation kennen, illustriert mit konkreten Beispielen aus Geschichte und Gegenwart. Dabei erfuhren wir auch, wie wichtig es ist, Quellen zu überprüfen.
Danach ging es weiter ins Institut für Slavistik und Europastudien, wo wir Frau Dr. Olga Burenina-Petrova kennenlernten – eine sehr warmherzige, sympathische Frau! Mit ihr machten wir einen kleinen, informellen Sprachniveautest. Den ganzen Tag lang waren wir etwas gestresst wegen dieses Tests und bereiteten uns auf ihn vor. Aber am Ende wäre dies gar nicht nötig gewesen: Olga stellte uns Fragen über uns, unsere Haustiere oder unsere Familie. Das war gar nicht so schwer. Mit Ausnahme zweier Mitschülerinnen, die dank ihrer Vorkenntnisse ein höheres Sprachniveau erreichten, erhielten wir anderen, die wir erst vor einem guten Jahr mit Russischlernen begonnen hatten, alle das Niveau A1 bestätigt. Darauf sind wir sehr stolz!
Am dritten Tag besichtigten wir die herrliche Stadt Fribourg in Gruppen. Mit Rätseln auf Russisch und einer Karte in der Hand mussten wir gemeinsam verschiedene Sehenswürdigkeiten finden. Das war spannend und prüfte unsere Russischkenntnisse.
Am Nachmittag nahmen wir an einer Vorlesung von Herrn Prof. Dr. Jens Herlth teil, zum Thema «Das weibliche Schreiben in der russischen Romantik». Wir verglichen die Romantik in Musik und bildender Kunst, wie wir sie bereits aus der Schule kennen, mit der Romantik als literarische Epoche. Eine zentrale Frage wurde uns dank des erläuterten kulturellen und historischen Kontexts beantwortet, nämlich: Warum gibt es im 19. Jahrhundert so viele bekannte russische Schriftsteller, während wir kaum Schriftstellerinnen aus dieser Zeit kennen?
Am Donnerstagmorgen trafen wir uns wieder an der Uni Bern zu einem Vortrag von Luzia Tschirky, der ehemaligen Osteuropa-Korrespondentin des SRF. Wir erhielten viele spannende Einblicke in ihre Arbeit und erfuhren viel über die Lage in der Ukraine. Es war sehr eindrücklich, Berichte aus erster Hand zu hören und passende Fotos und Videos dazu zu sehen.
Im Anschluss sahen wir einen oscarprämierten Dokumentarfilm, der den Alltag an einer Schule im russischen Uralgebirge zeigt. Der Film beeindruckte uns alle sehr und führte zu einer angeregten Diskussion.
Danach ging es ins Seefeld des Gymers Thun, wo wir osteuropäische Spezialitäten zubereiteten (und natürlich auch assen). Dies schweisste uns als Gruppe nochmals stärker zusammen, denn beim gemeinsamen Essen hatten wir die Möglichkeit, uns noch besser kennenzulernen. So konnten wir den sehr lehrreichen und eindrücklichen Tag gemütlich beenden.
Gemütlich ging es dann auch am nächsten Tag weiter. Morgens trafen wir uns in der Bibliothek des Kirchenfeld-Gymers, wo wir einen kurzen Einstieg in ein russisches Theaterstück von Anton Tschechow erhielten. Nach ein paar Aufwärmübungen im Theaterraum wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt: die Muttersprachler:innen und die, welche noch nicht lange Russisch lernen. Beide Gruppen erhielten dieselbe Szene aus Tschechows Möwe zum Proben, die einen im russischen Original, die anderen in einer deutschen Übersetzung. Als krönender Abschluss unserer Sonderwoche trugen wir uns die Szene gegenseitig vor. Nach tüchtigem Beifall und mit fröhlicher Stimmung gingen wir auf die Gymer-Terrasse mit tollem Ausblick auf die Stadt Bern, wo wir uns von unseren neugewonnenen Freunden verabschiedeten. Auf bald wieder bei unserer Sprach- und Kulturreise im Sommer 2027!

























































